Zum Hauptinhalt springen

Ratgeber-Blog

Neues und hilfreiche Tipps aus der innovativen Pflege

Empfohlen

Genug trinken und Dehydration vermeiden – mit technischen Erinnerungshilfen

Technische Hilfsmittel können dabei helfen, genug zu trinken.

Sommer, Sonne, Sonnenschein – was für manche nach dem perfekten Wetter klingt, ist für andere eine echte Belastung. Insbesondere bei älteren und pflegebedürftigen Menschen kann Hitze ein Risiko für ihre Gesundheit werden – vor allem wenn sie nicht genügend Flüssigkeit zu sich genommen haben. Deshalb möchten wir in diesem Beitrag zeigen, warum es (nicht nur im Sommer) wichtig ist, ausreichend zu trinken und wie technische Hilfsmittel dabei unterstützen können.

Warum ist Trinken wichtig?

Genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, ist in jedem Alter wichtig für den Körper. Bei älteren Menschen steigt jedoch das Risiko eines Flüssigkeitsmangels. Deshalb ist es bei ihnen umso wichtiger, auf regelmäßiges Trinken zu achten.

Bei einer Dehydration verbraucht der Körper mehr Flüssigkeit als er aufnimmt. Dieser Mangel an Flüssigkeit kann schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen auf den Körper haben. Zu den möglichen Symptomen zählen Kopfschmerzen, Schwindel und Kreislaufprobleme, Erschöpfung, und vor allem bei älteren Menschen auch Verwirrtheit.

Erhöhtes Risiko im Alter

Die Gefahr einer Dehydration ist im Alter besonders hoch. Denn älteren Menschen fällt es häufig schwer, genügend zu trinken. Das kann unterschiedliche Gründe haben.

Zum einen können Erkrankungen Einfluss auf das Trinkverhalten haben, z.B. wenn Schlucken Probleme bereitet, bei Inkontinenz Angst vor dem Toilettengang besteht oder bei Demenz vergessen wird zu trinken. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann zu einem erhöhten Flüssigkeitsbedarf führen.

Zum anderen sinkt im Alter das Durstgefühl. Ältere Personen unterschätzen daher ihren Flüssigkeitsbedarf und merken oft nicht, dass sie zu wenig getrunken haben.

Wie kann Technik unterstützen?

Die zentrale Maßnahme zur Vorbeugung und Behandlung von Flüssigkeitsmangel, ist ausreichend zu trinken. Deshalb empfiehlt auch die Leitlinie zur klinischen Ernährung und Hydrierung im Alter, ältere Personen aktiv zur Flüssigkeitsaufnahme zu motivieren und regelmäßig zum Trinken aufzufordern.

Es gibt einfache Methoden, die sowohl im privaten Umfeld als auch im Bereich der professionellen Pflege dabei helfen können zum Trinken zu animieren, z.B. die Getränke so zur Verfügung zu stellen, dass sie immer griffbereit oder zumindest sichtbar sind. Manchmal hilft es schon, Alternativen zu Wasser anzubieten, wie zuckerfreien Tee oder Saftschorlen. Vor allem Personen mit Demenz bevorzugen oft farbige Getränke.

Aber auch technische Hilfsmittel können aktiv an das Trinken erinnern und dabei unterstützen, regelmäßig sowie ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen.

Manche Alarme erinnern in regelmäßigem Abstand über akustische oder optische Signale daran, dass es wieder Zeit wird etwas zu trinken. Andere Technologien gehen einen Schritt weiter, indem sie erkennen, ob getrunken wurde oder nicht, und nur bei Bedarf erinnern. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, die getrunkene Flüssigkeitsmenge manuell oder automatisch zu dokumentieren, sodass nicht nur die Häufigkeit des Trinkens kontrolliert wird, sondern auch ob dabei genügend Flüssigkeit getrunken wurde.

Übrigens: Die Trinkerinnerungen sind nicht nur für Pflegebedürftige oder Senioren sinnvoll. Auch vielen jüngeren Menschen fällt es schwer, genug zu trinken.

Welche Arten von Technik gibt es?

Leuchtende „Trinkwecker"

Als Erinnerungshilfe funktionieren beispielsweise Untersetzer, die in regelmäßigen Abständen anfangen zu blinken und so daran erinnern, einen Schluck zu trinken (z.B. Drinktimer 2.0, Legami Trinkerinnerung Love Yourself). Stellt man ein Glas oder eine Tasse auf den Untersetzer, startet ein Timer. Wird das Glas nicht innerhalb einer bestimmten Zeit (z.B. 15 Minuten) erneut angehoben, fängt der Untersetzer nach Ablauf dieser Zeit an zu leuchten und gibt auch ein akustisches Signal. Nimmt man einen Schluck und stellt das Glas dann wieder ab, startet der Timer erneut. Der Drinktimer kann über ein USB-Kabel wieder aufgeladen werden.

Ähnlich funktioniert die Erinnerungshilfe Ulla. Mit einem elastischen Band kann sie an Trinkflaschen, Bechern, Tassen oder Gläsern befestigt werden. Über integrierte Sensoren erkennt das Hilfsmittel, wenn aus der Flasche oder dem Glas getrunken wird. Wird das Trinken vergessen, blinkt nach rund 50 Minuten die kleine Lampe – ohne Ton – als dezente Trinkerinnerung. Die Erinnerungshilfe funktioniert mit einer Batterie, die etwa alle 6 Monate ausgetauscht werden muss.

Es gibt verschiedene Formen von Trinkweckern. (Bild: KiPf)
Leuchtet die Erinnerungshilfe, wird es Zeit etwas zu trinken. (Bild: KiPf)

Trinkflaschen mit Erinnerungsfunktion

Es gibt auch spezielle Trinkflaschen, die zum regelmäßigen Trinken motivieren sollen. Die einfachste Variante sind Modelle, die über aufgedruckte Markierungen an der Flasche anzeigen, bis zu welcher Uhrzeit wie viel Flüssigkeit getrunken werden sollte. Solche Flaschen sind in verschiedenen Ausführungen von unterschiedlichen Herstellern erhältlich.

Andere Flaschen können über Leuchtsignale am Flaschenboden oder im Deckel sowie über Signaltöne aktiv daran erinnern, wenn wieder ein Schluck genommen werden sollte (z.B. Qool, HidrateSpark Pro, Equa, Ozmo…). Einige Flaschen funktionieren auch mit einer zugehörigen App, welche die Trinkmenge erfasst oder auf Basis persönlicher Daten wie Alter, Gewicht und körperlicher Aktivität den individuellen Wasserbedarf errechnet. Dies setzt jedoch voraus, dass ein Smartphone genutzt werden kann. Teileweise haben diese Flaschen noch weitere Funktionen wie Isolation oder Filterung des Wassers. Dementsprechend teurer sind die Trinkflaschen. Je nach Anbieter liegt der Preis für die „smarten" Flaschen bei rund 80 Euro. 

Einige Flaschen erinnern mit Leuchtsignalen ans Trinken. (Bild: KiPf)
Mit einer zugehörigen App kann u.a. die Trinkmenge dokumentiert werden. (Bild: KiPf)

Apps als Trinkerinnerung

Auch unabhängig von bestimmten Trinkflaschen gibt es zahlreiche kostenlose oder kostenpflichtige Trink-Apps wie Hydro Coach, Gerolsteiner TrinkCheck, Aqualert, Waterminder, Waterllama oder Plant Nanny, die dabei unterstützen können, die eigene Flüssigkeitsaufnahme im Blick zu behalten.

Je nach Anwendung können die Apps Trinkerinnerungen senden, Empfehlungen für die individuell benötigte Menge an Flüssigkeit geben und eine Möglichkeit bieten das eigene Trinkverhalten zu dokumentieren. Spielerische Elemente helfen oft dabei, motiviert zu bleiben.

Viele dieser Apps können auch mit den gängigen Gesundheitsapps wie Apple Health, Samsung Health, Google Fit oder mit verschiedenen Smartwatches (Fitbit, Garmin, Apple Watch etc.) synchronisiert werden. 

Smarter Trinkbecher speziell für die Pflege

Mit dem LAQA SmartCup wurde auch ein KI-basiertes Trinksystem für das Hydrations-Management in Pflegeeinrichtungen entwickelt. Der intelligente Trinkbecher erinnert die Pflegebedürftigen ebenfalls über Licht-, Ton oder Vibrations-Signale an das Trinken. Die Art des Signals und in welchen Abständen es aktiviert wird, kann je nach Bedarf individuell vom Pflegepersonal festgelegt werden. Darüber hinaus besteht über Sensoren im Becher die Möglichkeit, die Trinkmenge automatisiert zu dokumentieren und diese Daten als Trinkprotokoll direkt in die Pflegeverwaltungssoftware zu überführen.

Der SmartCup wurde primär für die Verwendung in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie für Reha-Kliniken entwickelt, soll aber auch im privaten Umfeld genutzt werden können. Diese Technologie ist noch nicht am freien Markt zu erwerben, sondern muss als "Solution-as-a-Service" beim Unternehmen angefragt werden.

Technologiedatenbank

Weitere Infos zu Technologien und Assistenzsystemen für die Pflege finden Sie in unserer Technologiedatenbank. 

Was ist für wen geeignet?

Zunächst einmal muss vorab die Frage gestellt, woran es liegt, dass eine pflegebedürftige Person zu wenig trinkt. Sind Vergesslichkeit und das nachlassende Durstgefühl die Hauptgründe? Dann können technische Trinkerinnerungen helfen, die Flüssigkeitsaufnahme zu steigern. Bei Schluckbeschwerden hingegen sind speziell geformte Trinkbecher, die das Trinken erleichtern, ein geeigneteres Hilfsmittel.

Die hier vorgestellten Erinnerungshilfen sind in erster Linie für die selbstständige Nutzung vorgesehen (ausgenommen LAQA SmartCup). Für ältere Menschen, die weniger technikaffin sind, oder an Demenz leiden, sind deshalb die einfachen Trinkerinnerungen wie der leuchtende Untersetzer oder das blinkende Band am Trinkglas gut geeignet. Selbst wenn die Funktion der Trinkerinnerung nicht vollständig verstanden wird, lenken die Signale die Aufmerksamkeit auf das Getränk und erhöhen somit die Wahrscheinlichkeit, dass die Person trinkt.

Digitale Trinkerinnerungen per App auf dem Smartphone oder der Smartwatch hingegen setzen voraus, dass die Personen ein eigenes Smartphone besitzen und sicher damit umgehen können. Aus diesem Grund sind solche Hilfsmittel vor allem für jüngere, digitalaffine Menschen geeignet. 

Innovative Lösungen aus der Pflegepraxis

Spannende Anwendungsbeispiele von innovativen Technologien finden Sie in unseren Lösungen.

Häufig gestellte Fragen

Das sagt die Wissenschaft

  • Das Trinkverhalten kann über verschiedene Technologien wie Wearables, Sensoren, smarte Trinkgefäße oder bildbasierte Lösungen überwacht werden. Eine Studie hat diese Technologien u.a. in Bezug auf ihre Genauigkeit und Benutzerfreundlichkeit bewertet. Zur Studie
  • Wie ein intelligentes Trinkassistenzsystem in der Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen unterstützen kann, wurde im Projekt TrinkTracker evaluiert. Zu den Abschlussberichten auf der Projektseite
  • Eine Forschungsarbeit hat untersucht, inwiefern Smartwatches das Trinkverhalten von älteren Menschen zuverlässig erkennen und aufzeichnen können. Zur Arbeit 
0

Ähnliche Beiträge