Sesam, öffne dich! Damit sich die Wohnungstür wie von selbst öffnet, benötigt man heute keine Zauberformel mehr – moderne Technik machts möglich. Mit Hilfe elektronischer Schlösser lassen sich Türen auch ohne Schlüssel aufschließen. Die smarten Helfer sind in privaten Haushalten immer häufiger zu finden, teilweise eingebunden in komplette SmartHome-Systeme. Welche Chancen sie im Bereich der häuslichen, aber auch stationären Pflege eröffnen, wie sie pflegebedürftige Menschen im Alltag unterstützen können und was bei der Montage und Einrichtung beachtet werden sollte, erklären wir in diesem Beitrag.
Inhaltsverzeichnis
Wenn das Türschloss zur Barriere wird
Ob Arthritis, Tremor oder Hemiparese - es gibt verschiedene Gründe, die zu einer eingeschränkten Motorik in den Händen führen können. Bei Erkrankungen wie diesen kann es zur Herausforderung werden, das Schlüsselloch zu treffen oder den Schlüssel zu drehen und wieder abzuziehen. Der Schlüssel verhakt sich, bricht ab oder fällt zu Boden, wo er dann mühsam wieder aufgehoben werden muss. Fehlt die Kraft oder fällt das Greifen schwer, stellt eine verschlossene Tür schnell ein Hindernis dar. Bei einer Demenzerkrankung kann zudem das Vergessen des Schlüssels zum Problem werden.
Abhilfe schaffen können elektronische Türschlosssysteme, die auch ohne den herkömmlichen Metallschlüssel funktionieren. Diese sind auch nützlich, um beispielsweise Pflegediensten oder pflegenden Angehörigen den Zutritt zur Wohnung zu erleichtern.
Wie kann Technik unterstützen?
Je nach Anwendungsbereich können elektronische Türschlösser die Selbstständigkeit von eingeschränkten oder pflegebedürftigen Personen fördern, ihre soziale Teilhabe erhalten, die Privatsphäre schützen und die häusliche Versorgung sicherstellen.
Körperliche Erleichterung für Personen mit eingeschränkter Mobilität
Elektronische oder „intelligente" Türschlösser, auch Smart Lock genannt, können Menschen mit motorischen Einschränkungen beim Entriegeln einer Tür unterstützen. Statt einen Schlüssel nutzen zu müssen, können diese per Funk oder mit dem Smartphone geöffnet werden.
Doch nicht nur beim Aufschließen der Tür von außen können die Schlösser hilfreich sein. Sie bieten bettlägerigen oder in ihrer Gehfähigkeit eingeschränkten Personen die Möglichkeit, die Türe von innen für Besucher zu öffnen, ohne aufstehen und zur Tür laufen zu müssen. Für mehr Sicherheit kann hierbei eine Videoklingel sorgen. So kann die Person z.B. über ein Tablet auch vom Bett aus sehen, wer vor der Tür steht und die Tür dann per Funk öffnen – oder gegebenenfalls den Zutritt verweigern.
Zutrittsrechte für Pflegende
Darüber hinaus können elektronische Türschlösser auch für Pflegedienste hilfreich sein. Mit per App oder Funk zu öffnenden Türen kann den Pflegekräften der Zugang zur Wohnung oder zum Haus einfacher ermöglicht werden. Schlüssel für die Wohnung der zu pflegenden Person müssen nicht mehr physisch bereitgestellt und übergeben werden. Gerade in Krankheitsfällen oder bei anderen kurzfristigen Änderungen im Dienstplan kann die Bereitstellung des benötigten Schlüssels zur organisatorischen Herausforderung werden.
Auf diese Weise können zum Beispiel auch Hausbesuche von Physiotherapeuten oder der Zugang für den Hausnotruf organisiert werden. Zutrittsrechte können je nach Bedarf gezielt vergeben werden, z.B. nur an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Zeiten. Genauso können sie aber auch einfach wieder entzogen werden, z.B. wenn eine Pflegekraft nicht mehr für die Wohnung zuständig ist. Zudem werden die Öffnungen automatisch im System protokolliert, sodass nachvollziehbar bleibt, wer wann Zutritt zur Wohnung hatte.
Auch wenn die Pflege zuhause von mehreren Angehörigen durchgeführt wird, ermöglicht das elektronische Schloss, dass alle Familienmitglieder, die an der Pflege beteiligt sind, Zugang zur Wohnung bekommen.
Welche Arten von Technik gibt es?
Im Bereich elektronischer Türschlösser stehen eine Reihe verschiedener Modelle und Hersteller zur Auswahl (z.B. Nuki, tedee, Yale Home, KIWI). Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten zum Öffnen des elektronischen Türschlosses.
Die Tür kann entweder über eine App auf dem Smartphone oder mit einem Transponder oder Funkschlüssel, auch Fob genannt, geöffnet werden. Auf dem Fob muss lediglich ein Knopf gedrückt werden, um dem Schloss das Signal zum Entriegeln zu übermitteln. Die Öffnung erfolgt in der Regel über Bluetooth, sodass eine Internetverbindung nicht unbedingt notwendig ist.
Es gibt auch Türschlösser, die per Zahlencode geöffnet werden. Für ein Schloss können mehrere persönliche Zugangscodes festgelegt werden. So lässt sich nachvollziehen, wer die Wohnung betritt. Mit einem Fingerabdruck-Scanner ist die Öffnung der Tür ohne jegliche Hilfsmittel, allein mit dem Auflegen eines Fingers möglich.
Die elektronischen Schlösser sind in der Regel batteriebetrieben oder mit einem aufladbaren Akku ausgestattet. Der Ladezustand, beziehungsweise der Hinweis, dass der Akku geladen oder die Batterien ausgewechselt werden müssen, erfolgt rechtzeitig über die App.
Viele der elektronischen Schlösser können relativ unkompliziert an bestehenden Türen nachgerüstet werden. Das Schloss wird auf der Innenseite der Tür montiert. Je nach Zutrittsvariante lässt sich somit von außen nicht erkennen, dass ein elektronisches Schloss installiert wurde. Zudem lassen sich die Schlösser auch weiterhin mit dem normalen Schlüssel öffnen. Auf diese Weise kann auch im Fall eines technischen Problems (z.B. leerer Akku) die Tür aufgeschlossen werden.
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Was ist für wen geeignet?
Eine zentrale Frage bei der Auswahl ist, für welchen Zweck das Schloss eingesetzt werden soll. Wo liegen die Hürden bzw. aus welchem Grund wird Unterstützung beim Öffnen der Tür benötigt?
Eingeschränkte Mobilität
Ist die Mobilität in der Hand eingeschränkt, kann die Öffnung per App leichter fallen als mit einem herkömmlichen Schlüssel. Optional bieten einige Modelle eine „Auto-Unlock"-Funktion (automatisches Aufschließen). Damit öffnet sich die Tür schon, wenn das Smartphone nah genug an der Tür ist – ohne dass in der App geklickt werden muss.
Doch nicht jeder kommt mit der Bedienung eines Smartphones zurecht. Für Menschen ohne Handy ist ein einfacher Funkschlüssel (Fob) eine unkomplizierte Alternative zur App auf dem Handy.
Ein Fall aus der Praxis
Das folgende Video zeigt, wie ein nachrüstbares, elektronisches Türschloss einen Rollstuhlfahrer unterstützt, der aufgrund einer Lähmung eine eingeschränkte Handmotorik besitzt und deshalb Probleme bei der Handhabe herkömmlicher Schlüssel hatte.
In unseren Lösungen können Sie die komplette Fallstudie zu diesem Beispiel aus der Praxis nachlesen.
Demenz
Wenn eine Person häufig vergisst die Wohnung abzuschließen, sorgt die „Auto-Lock"-Funktion (automatisches Abschließen) für mehr Sicherheit. Dabei verriegelt sich die Tür beim Verlassen der Wohnung automatisch. Wird der Schlüssel häufig vergessen, kann ein Schloss, dass mit Fingerabdruck geöffnet wird, die richtige Lösung sein. Die Fingerabdruck-Scanner sind meist in sogenannten Keypads mit Zahlen integriert. Diese wiederum eignen sich gut, um z.B. Pflegediensten mit einem individuellen Code Zugang zur Wohnung zu geben.
Mögliche Einsatzbereiche
Elektronische Türschlösser können sowohl im häuslichen Bereich als auch im betreuten Wohnen eingesetzt werden. Die Montage von elektronischen Türschlössern ist für viele Modelle ohne großen Aufwand oder größere bauliche Eingriffe möglich. Somit können sie auch in Mietwohnungen oder in betreuten Wohngemeinschaften verwendet werden.
Wie ein elektronisches Schloss in einer stationären Wohngruppe mehr Eigenständigkeit und Privatsphäre bieten kann, zeigt eine weitere Lösung aus der Pflegepraxis.
Elektronisches Schloss im stationären Umfeld – Kompetenzcluster innovative Pflege (KiPf)
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Was gibt es zu beachten?
Genutzt werden können elektronische Türschlösser zwar auch ohne Smartphone, für die Einrichtung und Verwaltung der Zutrittsrechte ist meist jedoch eine App oder Webanwendung nötig. Ältere Menschen oder Personen, die digital weniger affin sind, benötigen deshalb bei der Montage und Einrichtung der Schlösser professionelle Unterstützung oder Hilfe von technikaffinen Angehörigen.
Bei der Wahl eines elektronischen Türschlosses muss vorab die Kompatibilität der Tür bzw. des bestehenden Schlosses mit dem gewünschten elektronischen System geprüft werden. Eventuell muss der Zylinder des Schlosses getauscht werden. Entscheidend ist unter anderem, ob der Zylinder eine Not- und Gefahrenfunktion hat. Das bedeutet, dass sich die Tür von außen mit einem Schlüssel öffnen lässt, auch wenn innen ein Schlüssel steckt.
Die Hersteller der elektronischen Schlösser bieten in der Regel Kompatibilitäts-Test an und geben genaue Informationen über die nötigen Voraussetzungen. Ist der Tausch des Zylinders nötig, muss dies in Mitwohnungen mit dem Vermieter bzw. der Hausverwaltung abgestimmt sein. Der Zylindertausch kann in wenigen Schritten selbst durchgeführt werden. Im Zweifel sollten Sie sich von Fachpersonen beraten lassen oder die Montage und Einrichtung an diese übergeben.